Christa Schechtl's
"Der Schrei" 3

Tierheim Foca vor dem Aus

Ich gebe das Tierheim in Foca/Türkei auf!

Es geht nicht mehr!

Der jahrelange Kampf um das Tierheim in Foca scheint letztendlich aussichtslos. Mit größter Anstrengung habe ich bis zuletzt versucht, den vielen Tieren, Hunden und Katzen, eine Zukunft, eine Lebensqualität zu schenken.

Ich habe als letzten Versuch einen neuen Leiter mit einem horrenden Gehalt eingesetzt, habe noch Sonnendächer installiert und Reparaturen durchführen lassen, Wasser gekauft. Der Zustand der Tiere jedoch, die Sauberkeit, die Hygiene, waren und sind verheerend geblieben. Das von mir geschickte Geld wurde nach wie vor nicht im Sinne der Tiere eingesetzt. Kleinste Reparaturen wurden "in Auftrag" gegeben, keine Eigeninitiative entwickelt, keine Verbesserungen ausgebrütet. Für die Not der Tiere scheinen sie kein Auge zu haben.

Alle Mitarbeiter, die bisher in diesem Tierheim gearbeitet haben, hatten nur ihr Interesse vor Augen, nicht jedoch das der Tiere. Alle wollten Chef spielen. Aber nicht putzen, auch nicht in die Boxen gehen, um nach kranken, apathischen oder dünnen Hunden zu sehen.

Ein Hund mit einer großen, offenen Wunde wurde von seinen Artgenossen immer wieder angefallen. "Der hat epileptische Anfälle" sagte mir eine Mitarbeiterin und beließ ihn über Wochen in der Box. Er ist mittlerweile in Deutschland. Er hatte keine Anfälle!

Kein "Tierschützer" vor Ort hat sich je für das Tierheim verantwortlich gefühlt oder gar mit der Gemeinde verhandelt und für die Tiere gekämpft.

Die einzige Hilfe, die ich je erhielt, war vom Tierschutzverein Hennef, Dieter Ernst. Er hat versucht, zumindest die medizinische Versorgung der Tiere in Griff zu kriegen.

Ich klage die Gemeinde Foca mit ihrem Bürgermeister Gükhan Demirag an. Vielleicht würde es dem Tierheim besser gehen, wenn es einen Fürsprecher oder zumindest einen Helfer seitens des Bürgermeisters gehabt hätte. Doch Demirag haßt Hunde, hat auch nie ein Hehl daraus gemacht, "dass er für das Tierheim nicht zuständig sei" und es ihm ein Dorn im Auge ist. Er weiß sehr wohl, dass jede Gemeinde, nach dem neuen Tierschutzgesetz, ein Tierheim unterhalten muss. Doch Demirag hat sogar mein Empfehlungsschreiben von Gabriele Verheugen, EU-Kommisar-Gattin, im Mai 2007 achtlos zur Seite gelegt. Ich muss das so bitter benötigte Wasser selbst bezahlen. Es kümmert ihn auch nicht, dass verantwortungslos weiter Hunde von der Straße gefangen und ins Tierheim gebracht werden, das bereits einem Kollaps zusteuert.

Wie kann man unter diesen Umständen - aus der Ferne - arbeiten? Mit einer Gemeinde, die nur darauf wartet, dass ich mich zurückziehe. Mit einem Personal, das sich mit meinem Geld schöne Tage macht und durch die Gegend führt, zwei mal am Tag Benzinkosten mit Notizzettel abrechnet. Und doch, trotz aller Widrigkeiten, trotz mehrfacher, massiver Verleumdungen und Bedrohungen machte ich all die Jahre, auch die letzten Monate weiter, zum Wohle der Tiere.

Ich werde nie die vielen Stunden in der prallen Sonne im Juni 2007 vergessen, als ich die Boxen putzte und die Hunde mir dabei "halfen". Sie drückten sich an mich, gaben Pfötchen, streiften zärtlich mein Gesicht und wurden nicht müde, mit mir zu spielen. Noch während der gründlichen Säuberung entdeckte ich einen großen, toten Hund in einer Blutlache und einen toten Welpen. Von der Mitarbeitern buchstäblich nicht gesehen.

Die Hunde und Katzen, sie sich allesamt so liebenswürdig, so anschmiegsam und bildschön. Übrigens: Während ich putzte, sah mir der Leiter tatenlos zu ! Es wäre den Tieren immens geholfen, wenn sie nach einer Kastration wieder in die Freiheit entlassen würden. "Doch das ist verboten" wurde mir gesagt. Doch kein Tierschützer vor Ort macht sich für dieses so immens wichtige Thema stark: Kastrieren und raus ! Natürlich gibt es dabei ein großes Hindernis: Bürgermeister Demirag will seine Straßen "sauber" haben, gerade jetzt in der Tourismussaison.

Die Türkei hat durch EU-Kommissar Günter Verheugen Millionen Euro für die Straßenhunde von Istanbul, Ankara und Izmir erhalten. Wo sind sie ? Meine Sponsoren sind des Tierheimes in Foca überdrüssig. Sie sehen keine anhaltende Verbesserung, so dass die Gelder wieder überwiegend aus meiner privaten Tasche kommen. Man muss bedenken: Ich bin Privatperson, mache das freiwillig, habe keine große Organisation, keinen Verein an meiner Seite. Ich wollte und will nur das Beste für die Tiere. Doch es sich türkische Hunde und nun sind die türkischen Bürger gefragt. Es ist zu einfach, immer nur die Hand auszustrecken.

Ich habe meinen anderen Projekten gegenüber, die ich ins Leben gerufen habe, eine große Verantwortung. Sie werden von äußerst engagierten Menschen mit viel Herzblut geführt und verwaltet. Ich darf das so schwer erbettelte Sponsorengeld und auch meine persönlichen Mittel nicht weiterhin in einem Foca-Sumpf aus Korruption, Betrug, Desinteresse und Verschwendung stecken. Nach den hier geschilderten Voraussetzungen und Vorkommnissen kann ich nicht mehr weiter für die bedauernswerten Tiere in Foca zuständig sein.

Ich weine um die Tiere, die nichts dafür können, dass sie in Foca geboren wurden. Auch mein Herz weint, doch ich kann nicht mehr.

Retter und Hilfe gesucht ! Die Foca-Tiere hätten es verdient !

Zuerst die Freiheit geraubt und dann in ein überfülltes, vor Dreck starrendes Tierheim gesteckt. Und dennoch: Sie blieben duldsam und friedlich. Jeder Verein, jede Organisation, jeder wirklich engagierte Mensch, der diese Zeilen liest, kann sich um Foca kümmern. Es steht ihm frei. So wie ich es auch getan habe als Privatperson. Vielleicht fühlt sich ein Tierfreund angesprochen, diese Aufgabe zu übernehmen und hat auch ein Händchen für Verhandlungen mit der Gemeinde Foca und dem Gouverneur in Izmir.

Das sind die überlebenswichtigen Punkte für das Tierheim in Foca:

  • Verantwortungsvolles Personal
  • einen verantwortungsbewussten Bürgermeister
  • Durchsetzungsvermögen seitens des "Retters"
  • Finanzielle Mittel

Die Basis ist geschaffen. Fragt sich nur, wie Bürgermeister Demirag die Zukunft des Tierheimes gestalten will: Ein Todeslager ?

Mit ist klar, sollte es je eine Perspektive für die Tiere geben, schnell gehandelt werden muss. Bürgermeister Demirag sieht einem Massensterben sicherlich gelassen entgegen.

Christa Schechtl

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