Christa Schechtl's
"Der Schrei" 3

In eigener Sache
Abschied

ABSCHIED von meinem treuen Kamerad nach 13 Jahren. Am 5. März 2004 verließ uns mein Wolfsspitz. Zurück blieb seine kleine Gefährtin Alexandra, die wochenlang trauerte, kaum Gassi gehen wollte und von nun an keinen Artgenossen mehr neben sich akzeptierte.

Auf Wiedersehen Batzi

"Junger, noch unerzogener Wolfsspitz abzugeben." Diese Anzeige wurde von einer Hure in einer Münchner Zeitung aufgegeben. Sie wollte ihrem blutjungen Wolfsspitz weitere Schläge ihres Zuhälters ersparen. Doch eigentlich wollte ich Dich nicht, lieber Batzi, nachdem erst vor kurzem dein Vorgänger verstarb. Dessen Pflegevater (wenn ich auf Reisen war) hat jedoch diese Anzeige gelesen und mich so lange traktiert, bis ich Dich ansah. Wahrscheinlich wollte er auch Dich als Pflegehund haben. Als ich Dich zum ersten Mal sah, war es um mich geschehen. Du wunderschönes, liebes Wollknäuel. Dein Charme, Dein Wesen, Deine Augen, ach, eigentlich alles hat mich für Dich eingenommen. Du fandest auch noch meine fünf Katzen in Ordnung - und somit warst Du in meinem Haushalt aufgenommen. Ein Lottogewinn! Was das für ein Haushalt war, hast Du bald gecheckt. Du hast die geschunden Seelen und Körper Deiner Artgenossen aus den Todeslagern,

Verliesen, von der Kette oder von Tierquälern erlebt, die ich mit zu uns nach Hause nahm. Du hast Dich zu einem wahren Samariter entwickelt, hast Deine Genossen kurz beschnuppert, dann unter Deine Fittiche genommen und somit eine vertrauensvolle, friedliche Atmosphäre geschaffen. Nicht auszudenken, wenn Du ein Raubacke gewesen wärst, der eifersüchtig sein Revier verteidigt hätte. Du hast ihnen beigebracht, dass man an jedem Straßenübergang stehen bleiben und nicht vor fremden Menschen flüchten muss. Meiner kleinen Alexandra (ein Mädchen) aus dem Todeslager von Odessa hast Du als echter Rüde gezeigt, wie man Pippi macht. Alexandra macht das heute noch so. Zum Schießen. Alexandra kuschelte sich, damals noch verstört, in Dein seidenweiches, flockiges Fell - und fühlte sich geborgen wie im Paradies. Du hast ihr Deinen Fressnapf als Kavalier überlassen und mit ihrem kleineren vorlieb genommen. Du warst als Wolfsspitz eine Seele. Ich habe nie wieder einen so zauberhaften, liebenswürdigen, sozialen und schönen Wolfsspitz wie Dich gesehen.

Batzi war der große Bruder, Beschützer und Vorbild für die kleine Alexandra aus dem Todeslager von Odessa.

Ich danke Dir für die wunderbaren 13 Jahre, die wir atemberaubend aufregend miteinander gehen durften. Du warst so geduldig, wenn ich wieder einmal auf Reisen war und Du "abgeschoben" auf Deinem Pflegeplatz auf meine Rückkehr wartetest. Du freutest Dich immer so sehr, dass mein schlechtes Gewissen explodierte. Erst, als Du die Treppen bei mir im vierten Stock nicht mehr gehen konntest und ich versuchte, Deinen schweren Körper zu tragen und auch die Medikamente Deine Schmerzen nicht mehr lindern konnten, erst dann entschloss ich mich, nach Rücksprache mit meinem Tierarzt, Dich in den Hundehimmel gleiten zulassen. Dorthin bist Du in meinen Armen am 5. März 2004 geflogen.

DANKE Batzi, für alles, was Du Deinen leidgeprüften Artgenossen und mir Gutes gegeben hast. DANKE für Deine Liebe und Treue. Ich werde Dich nie vergessen!

© 2001 - 2017 Christa Schechtl - Start | Impressum | Portalseite | Spenden

Inhalt: