Christa Schechtl's
"Der Schrei" 3

Zunächst erreichte ich nach endlosen Verhandlungen mit dem Lagerverwalter, dass ich die kleine, schwarze Asja und Pudelmischling Sinja bekam. Doch dann gab mir mein Schutzengel die ungeheure Kraft und ich sagte den folgenschweren Satz: "Aber ich will alle Hunde!".

Zunächst erntete ich ungläubige Blicke, dann ein zynisches Nicken. Sie wussten: Es war mein zweiter Tag in diesem Land. Ich kannte keinen Menschen, war allein, angewiesen auf meine damalige Dolmetscherin, die mit Tieren nicht am Hut hatte. Wohin mit den Tieren? Doch ich hatte eine Idee. Wir fuhren in ein Dorf und fragten die Menschen, ob sie gegen Entgelt und Futterkosten Tiere aufnehmen würden. Es klappte! Bis zu meinem nächsten Besuch sollten die Tiere vermittelt werden.

Es kam alles ganz anders.

Mein zweiter Besuch in Chisinau brachte auf Regierungsebene kleine Fortschritte - und auch Verzweiflung. Alle Hunde, die ich aus dem Todeslager befreite, wurden zwar vermittelt, aber man gab mir falsche Adressen. Ich weiß bis heute nicht, was aus meinen geretteten Tieren geworden ist. Natürlich war ich wieder im Todeslager, das "Friedhof der Tiere" heißt. Doch diesmal hatten sie nicht scheinheilig blitzblankes Linoleum auf den verdreckten Betonboden gelegt.

Diesen Hund werde ich nie vergessen.
Er wollte buchstäblich vor Angst und Panik durch die Wand.

Asja und Sinja waren die ersten geretteten Tiere aus dem Todeslager. Sie leben heute in Deutschland.

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